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Die Chemie muss stimmen

Die Firma Zuelch hat sich mit ihren Farben und Lacken auf "natürliche Chemie" eingestellt — ein aktuelles Beispiel zum Thema Spielzeug und Sicherheit.

Das Thema Sicherheit von Spielzeug fasst der Gesetzgeber juristisch unter dem schönen Titel "Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz " (LMBG). Davon sind auch Spielzeugfarben betroffen, allein schon wegen ihrer stofflichen Zusammensetzung. Kein Wunder also, dass normale Menschen nach "Lebensmittelfarben " fragen. Lebensmittel sind Stoffe, die dazu bestimmt sind, "in unverändertem, zubereitetem oder verarbeitetem Zustand von Menschen verzehrt zu werden ". Schwieriger verhält es sich mit der Definition der Bedarfsgegenstände, unter die u.a. "Spielwaren und Scherzartikel" fallen.

Lieferte die ausgeprägte kindliche Vorliebe, alles in den Mund zu stecken, den Grund, auch Spielzeug ins LMGB aufzunehmen? Wahrscheinlicher dürfte sein, dass die in nationales Recht umgesetzte europäische Spielzeugrichtlinie EN 71 mit ihren elf Teilen einen Gesetzesrahmen benötigte. Ohne Gesetz keine Ausführungsbestimmungen. Das LMBG will eine Gefährdung der Gesundheit ausschließen, so wie die EN 71 die Sicherheitsanforderungen von Spielzeug formuliert, um Risiken zu minimieren. Mit der Umsetzung von Teil 9 der Richtlinie über organisch-chemische Verbindungen im letzten Jahr ist das Regelwerk nunmehr komplett.

Lutschen jetzt also alle Kinder nur noch an "Lebensmittelfarben" bei ihren Bauklötzen? Hanns-Eckard F. Zülch, Inhaber von Zuelch Industrial Coatings, kann über diese Vorstellung nur lächeln. Lebensmittelfarben sind so ziemlich das Letzte, was man bei Spielwaren einsetzt. Sie bleichen sehr schnell aus, decken ungenügend, sind zu teuer.

Damit erfüllen sie nicht die Anforderungen an Spielzeugfarben, die lichtecht, robust und langlebig sein sollen, aber auch die Struktur des Materials zeigen. Umgekehrt dürfen bestimmte chemische Verbindungen in Spielzeugfarben exakt definierte Werte nicht übersteigen. Die Farben sollen natürlich, rein und frei von toxikologischen Gefahren sein.

Der Verbraucher will "ungiftige" Farben. Die hohen Qualitätsanforderungen sind auch Folge der diffusen Ängste, die viele Menschen mit der "bösen Chemie" verbinden, obgleich sie ohne Chemie nicht mehr leben könnten. "In der Natur," weist Zülch auf die paradoxe Situation hin, "kommen chemische Substanzen in einer natürlichen Konzentration vor, die ein Prüfer von der LGA nicht durchgehen lassen würde. Das aber akzeptieren wir, ohne mit der Wimper zu zucken." Sein Unternehmen hat sich längst auf die Entwicklung zu "natürlicher Chemie" eingestellt.

Vor allem die Umstellung auf wasserverdünnbare Lacke war für den Mittelständler ein Kraftakt. "Man kann mit Recht sagen, dass sich hier im Stillen ein technologischer Quantensprung vollzog. Dies gilt nicht nur für ‚normale' Lacke, sondern auch für Spezialprodukte wie 2-K-PUR Trommellacke oder auch Beschichtungen für den ThermoTransfer- Druck." Der Quantensprung führte dazu, dass in der Regel Wasserlacke die alten Nitro-Lacke für Holzspielwaren abgelöst haben.

Zudem dürfte die Phthalat-Richtlinie (Verbot von Weichmachern in Spielzeug, die interessanterweise in Medikamenten als Hilfsstoff erlaubt sind!) dem alten Lacksystem den Todesstoß versetzen. "Das ist eine Chance für hochwertiges Holzspielzeug aus Deutschland", glaubt Zülch, "da in Asien meist noch mit NCLacken gearbeitet wird." Welche konkrete Farb-Rezeptur jedoch in Frage kommt, hängt auch von der Art des "Farbauftrags" ab.

Wird das Produkt getrommelt oder gespritzt? Von Hand gestrichen oder getaucht? Diese Fragen sind neben denen nach der stofflichen Zusammensetzung und der toxikologischen Unbedenklichkeit bei der Entwicklung neuer Lacksysteme entscheidend. Farbenmixen ist eine Wissenschaft für sich, sagt man im Harz. Wer das Lager sieht, glaubt es. Mehr als 400 Mixturen finden sich im Portfolio des Unternehmens allein für Spielzeugfarben und alle sind auf die individuellen Erfordernisse der Kunden hin entwickelt.

"Eine unserer großen Stärken", sagt der Mittelständler, der seine Farben längst weltweit exportiert. Da aber Farben aus Binde- und Lösemitteln, Pigmenten, Additiven und Füllstoffen komponiert werden, hängt die Qualität des Endproduktes auch von den Rohstoffen ab. "Es ist wie beim Bäcker. Alle nehmen Mehl, Zucker, Backpulver, aber die Rezeptur und die Erfahrung sind der Grund, warum es beim Lieblingsbäcker halt doch am Besten schmeckt." Zülch lässt sich Sicherheit was kosten, auch die Prüfungen für seine Farben, die regelmäßig ins LGA-Prüflabor nach Nürnberg wandern.

Von jeder Charge bewahrt das Unternehmen eigene Proben auf, um im Falle eines Falles beweisen zu können, dass alle Normen strikt eingehalten wurden. Kommt es mal zu Problemen, werden diese zusammen mit dem Kunden in manchmal kriminalistischer Kleinarbeit geklärt: In einem Fall stellt sich heraus, dass zu hohe Bleiwerte durch eine alte Wasserleitung aus Blei verursacht wurden.

Als zusätzliche Sicherheitsanforderung müssen nicht nur die fertigen Farben alle Normen erfüllen, sondern auch alle eingesetzten Rohstoffe. Mit der strikt an Qualität orientierten Philosophie hat es das Unternehmen zu einem führenden Lieferanten von Farben für die verschiedensten Applikationen in der Spielwarenindustrie gebracht.

Da die Automobilindustrie ein weiteres wichtiges Kundensegment ist, sind Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit Grundvoraussetzungen für den Erfolg des Unternehmens. Nicht zuletzt deshalb ist Zuelch auch nach ISO 9001 und 14001 zertifiziert. Ursprünglich als "Trommelspezialist" im Spielzeugmarkt aktiv, hat man konsequent neue Produktlinien aufgebaut.

Ganz aktuell so genannte "soft-touch Beschichtungen", die dem Produkt eine sehr angenehme Haptik geben und es so unterschwellig sofort sympathisch machen. Seit ein paar Jahren gewinnt der kostengünstige ThermoTransferDruck als Alternative zum Siebdruck an Bedeutung. Auch hier mischt Zuelch vorne mit.

Der Druck ist besonders für Spielbretter, Kindermöbel- Oberflächen und Puzzles ideal. Komplette Bilder lassen sich in Fotoqualität in einem einzigen Arbeitsschritt auf Holz oder andere Werkstoffe übertragen — ohne Passerprobleme, ohne Zwischentrocknung, sofort verpackungsfähig. Ganz so schnell geht es mit den Rezepturen in Osterode nicht, aber dort geht man auch lieber auf Nummer Sicher.

Herr Zülch, woran erkennt ein Verbraucher, ob ein Beißring die Spielzeugrichtlinie erfüllt, also "ungiftig " ist?

Zülch: Es gibt im Ausland durchaus Unternehmen, die scheren sich, salopp gesprochen, einen Dreck um teure Prüfverfahren. Die sagen ihnen offen, "Sie brauchen den Grünen Punkt und das CE-Zeichen? Kein Problem, drucken wir Ihnen alles auf die Verpackung. EN 71, phthalatfreie Farbe? Selbstverständlich! ", während man dort genau weiß, dass sie die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen werden.

Das tritt gerade bei billigen Fern-Ost-Produkten, aber auch solchen aus Ost-Europa auf. Beliebt ist ebenfalls die Strategie der "decorative items", die nicht mehr als Spielzeug gelten und an jeder Tankstelle verkauft werden, während sie doch für jeden ersichtlich Spielzeug darstellen.

Der Teddy darf also zur Dekoration auf dem Sofa sitzen, aber kein Kind darf mit ihm spielen. Letztlich haben Qualität und Sicherheit ihren Preis. Und ganz ohne Deutschtümelei, weil wir auch namhafte ausländische Kunden haben, möchte ich einmal betonen, dass die deutschen Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, ihre Verantwortung wirklich sehr ernst nehmen.

Wie viel Farbe soll es sein, wie viel Farbe darf es bei Holzspielzeug sein?

Zülch: Prinzipiell ist Farbe bei Holzspielzeug nicht nötig. Aber Farben haben nun einmal eine stimulierende Wirkung auf Geist und Sinne. Sie betonen Funktionen oder bringen sie erst hervor. Denken Sie nur an Puzzles! Farbe fördert die Kreativität.

Kindgemäße Farbgestaltung sollte deshalb darauf achten, dass die Struktur, der Charakter des Holzes erhalten und für das Kind greifbar bleibt. Der Trend geht allerdings weg vom hochglänzenden, farbig deckendem "Plastic-look" hin zu unlackiertem Spielzeug. Aber schauen Sie sich die Teile mal nach einer Woche an, die sind so schmuddelig, damit will kein Kind mehr spielen, und für die Waschmaschine ist Holzspielzeug nun mal nicht gemacht.

Aktuell bieten wir dazu stumpfmatte Beschichtungen zum Trommeln und auch zum Spritzen an, die das natürliche, unlackierte Aussehen und auch Gefühl erhalten. Selbst der Spezialist kann nicht sehen oder fühlen, ob das Holz lackiert ist. Da hilft nur ein kleiner Trick: Ein Tropfen Wasser auf das Holz, bleibt der Farbton unverändert ist das Teil geschützt, verfärbt sich das Holz ist es roh.

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